News 2017

Deutscher Fundraising Verband sieht Portal spendencheck.com kritisch

Das Team vom Portal spendencheck.com möchte laut eigener Aussage „Hilfsorganisationen und Spender einfach und direkt miteinander verbinden“, indem sie die Organisationen und ihre Projekte auf dem Portal vorstellen und die Möglichkeit bieten, direkt online auf ihrer Seite für die Projekte zu spenden.

Was auf den ersten Blick nach einer tollen Option zur Unterstützung gemeinnütziger Organisationen aussehen mag, verliert seinen Glanz, wenn man mit den gelisteten Organisationen spricht und die AGBs des Betreibers der Seite Spendencheck24 gGmbH aufruft.

Dort ist, wie auf einigen anderen Portalen, unter anderem die Rede davon, dass Spendencheck24 lediglich „anstrebt“, die gespendeten Gelder an das vom Unterstützer ausgewählte Projekt weiterzuleiten, dass aber keine Garantie der zweckgerechten Weiterleitung gegeben wird. Während z.B. Betterplace jedoch umfangreiche Prüfungen durchführt um die bestmögliche Mittelverwendung zu gewährleisten und eng mit den NGOs kooperiert, wurden die meisten NGOs ungefragt auf der Seite von Spendencheck24 platziert.

Wie der Deutsche Fundraising Verband in Gesprächen mit Organisationen, die aktuell auf Spendencheck24 gelistet sind, herausgefunden hat, haben die meisten von ihnen gar keine Vereinbarungen mit dem Portal getroffen. Wurde auf eine kurze Ankündigungsmail seitens der Organisationen nicht reagiert, haben die Macher der Plattform die Projekte einfach ohne Freigabe mit aus dem Internet kopierten Texte und Logos online gestellt. Einige Organisationen planen daher rechtliche Schritte gegen das Portal einzuleiten.

Zudem schlägt die Plattform vor, zu jeder Spende 15 Prozent der Spendensumme als so genannte „Transaktionsspende“ zusätzlich zu tätigen. Diese Transaktionsspende verbleibt bei Spendencheck24, mit dem Verweis, dass diese dem Betrieb der Website dient. Welchen gemeinnützigen Zweck der Betrieb der Website verfolgen könnte, konnte der Betreiber dem Verband noch nicht zufriedenstellend darlegen.

Im Gespräch mit Spendencheck24 hat der DFRV außerdem darauf hingewiesen, dass die AGBs dringend geändert werden sollten, da sie aktuell vom Gemeinnützigkeitsrecht her kritisch zu betrachten und fehlerhaft sind, obwohl Spendencheck24 als gemeinnützige GmbH in das Handelsregister eingetragen ist. Außerdem muss dringend die Kommunikation mit den Organisationen rechtskonform erfolgen sowie bzgl. der Kosten größere Transparenz geschaffen werden. Eine Plattform kann nicht explizit DZI-Siegelträger, ITZ-Unterzeichner und Phineo-Wirkt-Siegel-NGOs auflisten und dabei betonen, wie wichtig deren Einsatz für Transparenz ist, und dabei selbst intransparent sein. Das schadet den Bestrebungen der Organisationen und des Deutschen Fundraising Verbandes um ethisches korrektes Fundraising, das Vertrauen der SpendeInnen und insgesamt der Kultur des Gebens.

Solange dies nicht der Fall ist, sieht der Deutsche Fundraising Verband das Geschäftsgebaren von Spendencheck24 sehr kritisch und rät Spenderinnen und Spendern insbesondere, die so genannte „Transaktionsspende“ zu unterlassen. Dies ist am Ende des Spendenvorgangs über einen separaten Klick möglich.

 

Kommentare (2)

  1. Christian:
    06.04.2017 um 19:45

    Lieber Fundraisingverband, sicher wird auch Ihnen die steuerlich unschädliche Betätigung der Beschaffung von Mitteln (§ 58 Nr. 1 AO) für eine andere steuerbegünstigte Körperschaft für die Verwirklichung steuerbegünstigter Zwecke nach § 52 (2) AO nicht entgangen sein. Sicher wird auch das zuständige Finanzamt auf dieser Basis die Gemeinnützigkeit für die Spendencheck 24 gGmbH erteilt haben. Da Kapitalgesellschaften zu einer jährlichen Steuererklärung verpflichtet sind, insbesondere gemeinnützige über die Offenlegung der rechtmäßigen Mittelverwendung, findet die Kontrolle der Einhaltung des Gemeinnützigkeitsrechts hier sogar jährlich statt - ganz anders als bei gemeinnützigen Vereinen. Nachzulesen ist dies im Übrigen auch in der transparent online gestellten Satzung auf der Webseite von Spendencheck. Hier finden Sie auch interessante Informationen über die Gesellschafterbeziehungen. Das ein Fundraisingverband zusätzlich von einer Transaktionsspende von (gerade einmal) 15% abrät überrascht dann doch etwas. Fundraiser selbst arbeiten meines Wissens eher ungern zu solch einem Honorar und auch Organisationen die ihr Fundraising selbst betreiben, werden es schwer haben eine solche Grenze einzuhalten. Ohne Frage ist die Nutzung von Logi und besonders Texten ohne explizite Zustimmung nicht die beste Art ein Sozialunternehmen aufzubauen, ob es jedoch rechtliche Schritte begründet wäre zu prüfen, da eine nette E-Mail der Betroffenen mit Bitte um Unterlassung ja ausreichend ist. Die in der Tat sehr knappen AGBs sind dagegen vielleicht nicht gerade die umfänglichste Arbeit des Gründers. Nun bin ich aber doch guter Dinge, dass ihr Verband gute und legitime Gründe für diese Stellungnahme hat und freue mich über weitere fachliche Details, um Abstand von meiner noch neutralen Position zu nehmen. Herzliche Grüße!

  2. admin:
    07.04.2017 um 10:45

    Sehr geehrter anonymer Blogger Christian,

    es ist, zunächst einmal, sehr freundlich, dass Sie „noch“ eine neutrale Position einnehmen.
    Ich möchte Ihnen kurz die Stellungnahme des Verbandes erläutern:
    Uns liegen Beschwerden von Mitgliedsorganisationen vor, dass sie ohne Genehmigung auf eine Plattform gelistet werden, und dass über diese Plattform Gelder von Spendern an die Organisationen geleitet werden sollen, deren Wege den Organisationen weder transparent noch überhaupt im Vorfeld erläutert wurden. Ihre etwas launige Äußerung, dass eine Verwendung von Namen, Texten und Logos „nicht die beste Art ist“, erscheint mir bei einem Unternehmenskonstrukt wie dem des Betreibers etwas euphemistisch. Hier sind offensichtlich langjährig erfahrene Kaufleute an der Arbeit, denen solche Fehler nicht unterlaufen sollten. Diese Nicht-Kommunikation ist mit großer Sicherheit in einigen Fällen ein Fall der Marken- und Urheberrechtsverletzung. Selbstverständlich obliegt jegliche Art von Rechtsmittelnutzung den betroffenen Organisationen. Wie mir zurückgespiegelt wurde, wird Bitten um Löschung des Eintrags von den Betreibern zumeist zeitnah nachgekommen. Die „in der Tat sehr knappen AGBs“, wie Sie es ausdrücken, sind nicht nur nicht die umfänglichste Arbeit des Gründers, sondern in Auszügen wortgleich (!) aus den AGBs z.B. von betterplace kopiert worden. Bei einem Startup junger Studenten würden wir das noch als Anfängerfehler ansehen. Bei erfahrenen Firmengründern die sich in einem sensiblen System der gemeinnützigen Arbeit bewegen, ist gerade da jedoch Sorgfalt von Nöten, besonders wenn mit Transparenzinitiativen, Prüf- und Wirkungs-Siegeln geworben wird.
    Alles zusammen erscheint uns weiterhin, unabhängig von der Angabe der Gemeinnützigkeit, das Arbeitsverfahren der Spendencheck24 gGmbH als so hinreichend ungeklärt, dass wir uns bis zur Klärung der Lage und der Verbesserung der Kommunikation mit den Organisationen, sowie der transparenten Darlegung von Spendendurchläufen von dieser Plattform als Fachverband zunächst ausdrücklich distanzieren. Wir würden im Übrigen nicht so reagieren, wenn unter den Rückläufern auf unsere Nachfrage auch nur eine Organisation eine transparente wirksame Vereinbarung mit der Plattform getroffen hätte. Aber vielleicht haben Sie ja andere Informationen.

    Beste Grüße,
    Arne Peper
    Geschäftsführer Deutscher Fundraising Verband e.V.

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