Pressemitteilungen_2016

Aktuelle Situation der Nürnberger Tafel zeigt: Grenzen des Ehrenamts sind erreicht

Deutscher Fundraising Verband fordert bessere Rahmenbedingungen für gemeinnützige Arbeit

(Berlin, 17. Oktober 2016)  Seit Anfang der vergangenen Woche ist die Nürnberger Tafel wegen Überlastung des Ehrenamtes geschlossen. Der rein ehrenamtlich tätige Vorstand ist an die Grenzen seiner Belastbarkeit gestoßen. Dieser Vorgang, das unterstreicht jetzt der Deutsche Fundraising Verband in einer aktuellen Stellungnahme, zeige die Grenzen auf, die ehrenamtliches Engagement habe. „Deutschland hat eine langjährige, vorbildliche Tradition freiwilligen, unentgeltlichen ehrenamtlichen Engagements.“ Darauf, so betont Vorsitzender Dr. Martin Dodenhoeft, verlassen sich Staat und Gesellschaft, gerade dann, wenn es um die Ergänzung oder gar den Ersatz sozialstaatlicher Leistungen geht. Dass das nicht endlos so weiter gehen könne, werde nun sichtbar. Deshalb sei jetzt die Zeit da, sich um bessere Rahmenbedingungen für das Ehrenamt zu kümmern, so Dodenhoeft.

In einer ersten Bewertung der Hintergründe in Nürnberg verweist der Deutsche Fundraising Verband aus Berlin darauf, dass das Ehrenamt eine freiwillige Leistung ist und bleibe. Man darf es nicht als selbstverständlich hinnehmen. Dankesworte – nicht nur in „Sonntagsreden“ – sind notwendig, aber nicht hinreichend. Nachhaltige, auf Dauer angelegte gemeinnützige Arbeit brauche deshalb professionelle Strukturen. Das Ehrenamt allein ist überfordert“, weiß Dr. Dodenhoeft. Bei der Arbeit der „Tafeln“ werde dies deutlich. Der Aufgabenbereich sei vielfältig und fordernd. Das reiche von der Logistik bis zum Personaleinsatz im Schichtdienst, von der Qualitätsprüfung der Lebensmittel bis hin zu einem Gebäudemanagement. Auch viele andere gemeinnützige Einsatzbereiche seien ähnlich komplex und erforderten belastbare professionelle Kompetenz, beispielsweise wenn Hilfesuchende schwerwiegende physische oder psychische Probleme haben.

Der Deutsche Fundraising Verband will deshalb jetzt den besonderen Fokus auf das ehrenamtliche Engagement rücken. Denn ohne die massive ehrenamtliche Unterstützung wäre die Arbeit der gemeinnützigen Organisationen gleich zum Scheitern verurteilt. Sie hätten sich gemäß den vielfältigen, staatlich gesetzten und sich fortlaufend ändernden Rahmenbedingungen und auch den Erwartungen der Mittelgeber entsprechend professionalisiert. Die notwendigen Mittel für den Aufbau und Erhalt professioneller Strukturen müssten sie jedoch zu einem erheblichen Teil selbst einwerben. Dies werde auf dem seit Jahren nicht wachsenden Spendenmarkt von Jahr zu Jahr schwieriger. Gleichzeitig aber werde erwartet, dass die Kosten für Verwaltung und Werbung so niedrig wie nur irgend möglich gehalten würden. Ganz ohne Vorhaltung einer Verwaltung, die die dauerhafte und effiziente Organisierung, Abwicklung und Finanzierung der Hilfe regelt, funktionieren die Organisationen jedoch nicht. Wobei in Deutschland verschiedenste Institutionen sowie die Gesetzgebung und nicht zuletzt die Organisationen selbst dafür sorgen, dass nicht mehr als 30% für die Verwaltung der Hilfe ausgeben wird. Die meisten Organisationen liegen mit 15-25 Prozent Verwaltungsausgaben gemessen an Gesamteinnahmen sogar deutlich darunter.

Der Dank an diesen Teil des sogenannten Dritten Sektors findet Niederschlag in öffentlichen Würdigungen, auch gibt es Verdienstmedaillen und Bundesverdienstkreuze, weiß Verbandvorsitzender Dodenhoeft. Nützlicher wäre aus Sicht der in Deutschland organisierten Fundraiser allerdings die Verbesserung der Rahmenbedingungen, etwa hinsichtlich der Umsatzbesteuerung von Werbeaktivitäten oder des Portos für Informations- und Spendenbriefe der Organisationen.

Der Deutsche Fundraising Verband fordert daher von allen politischen Ebenen ein Umdenken und mehr Unterstützung, damit benötigte Hilfeleistungen in Deutschland langfristig und zuverlässig durch kompetente Organisationen erbracht werden können.

 

Der Deutsche Fundraising Verband

Dem Deutschen Fundraising Verband gehören rund 1300 Mitglieder an. Er vertritt die Interessen sowohl der einzelnen Fundraiser als auch der im Dritten Sektor tätigen gemeinnützigen Organisationen und der sie unterstützenden Dienstleister in Deutschland, fördert die Professionalisierung des Berufszweigs sowie die Umsetzung ethischer Prinzipien in der Branche.

 

Pressekontakt:

Arne Peper
Geschäftsführer
T: (030) 308 831 80-4
peper@fundraisingverband.de

 

Die Pressemitteilung als pdf zum download finden Sie hier

 

Kommentare (1)

  1. Thomas Raimund:
    01.03.2017 um 10:32

    Sehr interessanter Artikel! Ich bin schon lange als freiwilliger Helfer tätig und weiß aus eigenen Erfahrungen, dass ein Umdenken der Politik dringend notwendig ist. Dr. Martin Dodenhoeft spricht genau die Missstände an, die den gemeinnützigen Organisationen das Leben schwer machen. Deutschland ist auf seine freiwilligen Helfer angewiesen, ich hoffe es wird sich bald etwas ändern.

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